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12.07.2021

Schnabl/Sidl/Ecker-Lala: Digitalisierung – es gibt keinen Ort in NÖ, den man digital nicht erreichen kann

„Mehrere Wochen Lockdown haben die Digitalisierung mehr weitergebracht, als die Jahre zuvor“, stellt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender, LHStv. Franz Schnabl fest. Der Umgang mit den Herausforderungen der ersten Lockdown-Phase im Frühjahr habe dafür gesorgt, dass Niederösterreich in Fragen der Digitalisierung notgedrungen viel aufgeholt habe. Allerdings sei die Situation nach wie vor unzureichend und er fordere, dass endlich auf den „Macher-Modus“ geschalten werde – in vielen Kommunen hinke der Ausbau für funktionierendes Breitband-Internet weit hinterher – etwa im Vergleich zu Schweden, wo 95 Prozent das Internet nutzen und sich dabei auf vergleichsweise hohe Verbindungsgeschwindigkeiten verlassen können. Schweden liegt im globalen Ranking der Länder mit den schnellsten Internetanschlüssen auf Platz vier.


Viele Gemeinden sind auf dem Breitband-Atlas ein ‚schwarzer Fleck‘, selbst im Zentralraum Niederösterreichs. Homeoffice, Homeschooling und Streamingdienste sind hier unmöglich, weil offenbar für die Anbieter der Ausbau als nicht wirtschaftlich erachtet wird“, merkt Schnabl an: „Und selbst wenn ein Anbieter Förderungen in Anspruch nimmt, hat er in der Regel viele Jahre Zeit das Projekt umzusetzen – zwischenzeitlich sind für andere die Förderungen blockiert.“ Dazu komme, dass es zwar bei den Hauptleitungen Glasfaser-Verkabelungen gibt, aber die Hausanschlüsse weiterhin über Kupferkabel abgewickelt werden: „Das heißt, Glasfaser kommt in die Gegend, aber nicht ins Haus. Das ist keine Zukunftslösung.“ Die Leidtragenden sind die BürgerInnen, weiß Schnabl:

„Dabei bedeutet gesellschaftliche und politische Teilhabe auch digitale Teilhabe. Die NiederösterreicherInnen stehen digitalen Lösungen aufgeschlossen gegenüber. Dieser Haltung werden die Verantwortlichen in Bund und Land bislang sehr unzureichend gerecht. Der digitale Ausbau ist aber nicht nur dort notwendig, wo es wirtschaftlich einfach ist, sondern auch in wirtschaftlich nicht florierenden Regionen. Es gibt keinen Ort in Niederösterreich, den man digital nicht erreichen würde. Der Breitbandausbau ist die Datenautobahn der Zukunft!“


Schnabl warnt auch davor, Abhängigkeiten von Monopolisten zu schaffen: „Satelliteninternet von Elon Musk oder Google mit seinem ‚Station‘-Projekt werden schneller Lösungen anbieten, als der Ausbau in Niederösterreich fortschreitet. Dadurch werden Abhängigkeiten geschaffen, die unser Land, unsere Wirtschaft, angreifbar machen.“ Derzeit würden rund 40.000 Haushalte pro Jahr ans Glasfasernetz angeschlossen, weiß Schnabl: „Wie lange es dauert, bis die 737.000 niederösterreichischen Haushalte angeschlossen sind, kann man sich ausrechnen. Der Digitalisierungsplan bis 2025 ist somit von Vornherein zum Scheitern verurteilt. Selbst die nöGIG kann vielen Gemeinden beim Ausbau nicht helfen, es müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hier muss man mit Förderprogrammen, digitalen Angeboten für die Menschen und einem mehr als zügigen Ausbau gegensteuern – vor allem in weniger dicht besiedelten Ortsgebieten.“


Zwt.: Ecker-Lala: Das Internet ist ein lebenswichtiger Faktor für die Zukunft

Was unser Land braucht, um den Anschluss zu schaffen, ist mutiges und unternehmerisches Denken in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Wir haben die Kompetenz, die Herausforderung im digitalen Wandel ist die Geschwindigkeit. Die Pandemie hat das noch deutlicher gemacht“, erklärt der niederösterreichische Mathematiker und Data Scientist DI Wolfgang Ecker-Lala. Der Unternehmer, der unter anderem mit einem Start-Up dabei ist, das europäische Pendant zur Google-Suchmaschine aufzubauen, plädiert für ein Zukunftsversprechen an unsere Kinder: „Es ist an der Zeit, sie zu Gestaltern der digitalen Zukunft auszubilden, nicht nur zu KonsumentInnen. Österreich, Niederösterreich, muss sich zum digitalen Fortschritt bekennen, wenn es nicht riskieren will, dass der Wirtschaftsstandort ins Hintertreffen kommt. Es ist keine Zeit mehr für ein „Irgendwann einmal“, es muss heißen ‚Jetzt sofort‘.“ Das Internet biete digitale Informationen für jeden – allerdings könnten diese nur über einen gut funktionierenden, verfügbaren Internetzugang abgerufen werden.


„Die industrielle Revolution hätte niemals ohne die erforderliche Infrastruktur stattfinden können. Genauso ist es bei der digitalen Revolution. Diese beruht auf der Verfügbarkeit des Internets und damit belastbarer Datenleitungen“, erklärt Ecker-Lala: „Damit wird die Schaffung neuer Produkte und Dienstleistungen ermöglicht und es kann der Klimawandel aufgehalten werden – wenn wir ‚sinnlosen‘ Verkehr, der nicht für die Wertschöpfung notwendig ist, vermeiden, reduzieren wir den Ausstoß von Abgasen, CO2 und anderen umweltschädlichen Stoffen.


Die Zukunft der Digitalisierung – geprägt von Blockchain, Artificial Intelligence, Data Science, usw. – könne nicht ohne Internet stattfinden. Die Zukunft der Digitalisierung benötige gut ausgebildete und kreative Menschen, deren Ausbildung wiederum durch das Internet gefördert und beschleunigt wird, führt Ecker-Lala aus: „Es ist also wichtig, das Internet für alle verfügbar zu machen – ohne Kosten/Nutzen-Berechnung, ob sich eine Internetinfrastruktur für manche Gebiete auszahlt oder nicht. Es sind nicht die monetären Gewinne, die man mit Hilfe von Internetleitungen bzw. WLAN-Übertragungsraten erzielen kann – es ist der volkswirtschaftliche Schaden, der durch eine Nichtverfügbarkeit ausgelöst wird. Das Internet ist also ein Bestandteil der Grundversorgung. Achten wir darauf, dass es überall verfügbar, öffentlich zugänglich und nicht von Monopolisten kontrolliert wird. Man kann also sagen: ‚Geht es dem Internet gut, geht es uns allen gut‘.“


Zwt.: Sidl: Rascher Glasfaser-Ausbau sichert Wirtschaftsstandort

„Unsere Regionen haben nur mit schnellen Internetverbindungen eine echte Chance aufzublühen. Denn an den starken Datenleitungen hängen nicht nur Entscheidungen für Betriebsansiedelungen, sondern auch die Frage, ob die Menschen ihren Alltag in Zeiten von Teleworking und Homeschooling organisieren können“, fordert der niederösterreichische EU-Abgeordnete Dr. Günther Sidl flächendeckende, Top-Internetverbindungen für unser Bundesland:

„Wir haben in den vergangenen Monaten gesehen, wie wichtig die Investition in eine gute digitale Infrastruktur für die Menschen ist - insbesondere für unsere Unternehmen und Schulen.“


Sidl kommt aus dem Bezirk Melk, einem AuspendlerInnen-Bezirk. Dort werde viel zu stark überlegt, wie man die Menschen aus den ländlichen Regionen möglichst schnell in die großen Städte zu ihren Arbeitsplätzen bringen kann. „Das Denken muss ein anderes sein. Die EU hat es in der Hand, aus dem ländlichen Raum starke Klimaregionen zu machen. Mit guten Arbeitsplätzen, Kinderbetreuungseinrichtungen und medizinischer Versorgung vor Ort. Kurze Wege sind gut fürs Klima und steigern die Lebensqualität der Menschen. Das geht aber nur mit Investitionen in starke Datenleitungen und ein gut ausgebautes öffentlichen Verkehrsnetz", erklärt Sidl.  


Der Ausbau der Digitalisierung sei das Thema, das darüber entscheiden wird, ob eine Region fit für die Herausforderungen der Zukunft ist oder ob sie auf dem digitalen und damit auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis landet, sagt Sidl: "Eine leistungsstarke Internetverbindung muss heute so selbstverständlich sein wie die Stromleitung. Nur wenn wir diese Voraussetzungen auch außerhalb der großen Städte schaffen, können wir die Chance der Digitalisierung nutzen und gute Arbeitsplätze in den Regionen schaffen."

 

Info zu DI Wolfgang Ecker-Lala:

Absolvent der Technischen Universität Wien, ist heute als Lektor an der TU Wien sowie als Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft und an den Fachhochschulen Wiener Neustadt und Tulln tätig. Bereits seit dem Jahr 2000 arbeitet er durchgehend an Big Data und Data Science-Problemstellungen großer Unternehmen und Institutionen, z. B. der Europäischen Zentralbank, Bertelsmann, BMW, otto.de u.v.m. Er gründete 2005 die Firma MATH-UP.COM und ist seit 2019 Mitgründer von thinkers.ai.


Glasfaser-Ausbau sichert Wirtschaftsstandort und schützt das Klima