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23.04.2021

Schnabl: Wo bleibt der Kanzler der Pressekonferenzen, wenn es um 8000 österreichische Arbeitsplätze geht?

„Wenn es nach dem oberösterreichischen Landeshauptmann geht, dann hat sich die ÖVP offenbar mit dem Zusperren des MAN-Werks in Steyr bereits abgefunden“, so LHStv. Franz Schnabl: „Noch provokanter sind das Schweigen und die Untätigkeit des Bundeskanzlers angesichts der sich anbahnenden Standortkatastrophe in Steyr. Jeder Regierungschef, der seine Verantwortung für den Arbeitsmarkt, den Standort und die dort Beschäftigten ernst nimmt, hätte längst einen MAN-Krisengipfel einberufen, statt wegzuschauen oder den anderen Akteuren gute Tipps zu geben! Die Existenz von 8000 Arbeitnehmern und somit von mehreren tausend Familien in Ober- und Niederösterreich steht auf dem Spiel. Ein Betrieb mit höchsten technologischem Know-how steht an der Kippe – und die Chance, dort eine ökologisch ausgerichtete Forschungs- und Fertigungsstätte mit Zukunftspotential einzurichten, wird einfach negiert.

 

Wenn ein industrieller Cluster, der die Mobilitätslösungen der Zukunft entwickelt und herstellt, nur durch eine temporäre staatliche Unterstützung überhaupt erst lebensfähig gemacht werden kann, dann ist es fahrlässig, ein solches Engagement des Staates von vornherein aus rein ideologischen Motiven abzulehnen. Bei MAN ist dieses Argument noch brüchiger als sonst wo: Im Mutterkonzern von MAN, der Volkswagen AG, gibt es eine Beteiligung der öffentlichen Hand (des deutschen Bundeslandes Niedersachsen; Anm.), die über 20 Prozent der Stimmrechte verfügt. Angesichts dieses Umstands ist es nicht nachvollziehbar, warum nicht auch die Fortführung und der Umbau des Standortes Steyr über eine Beteiligung der öffentlichen Hand ermöglicht und begleitet werden soll. Noch unverständlicher ist allerdings, warum der Regierungschef unseres Landes nicht alle seine Kontakte zu politisch Verantwortlichen in Deutschland nützt, um den Standort Steyr in eine gute Zukunft zu führen. Es ist auch unverständlich, warum im österreichischen Ansuchen um Mittel aus dem europäischen Recovery-Programm jede Menge bereits begonnener Projekte wieder eingereicht werden, aber das MAN-Werk offenbar nicht einmal auf der Agenda steht.

 

Das kann jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss sein: Die weit mehr als 2000 Beschäftigten im MAN-Werk in Steyer und die insgesamt 8000 Beschäftigten, deren Arbeitsplätze von einer MAN-Schließung betroffen werden, im Regen stehen lassen. Hier wäre jetzt auch die Expertise einer gut und verantwortungsvoll geführten staatlichen Beteiligungsholding gefragt. Noch einmal: Das Mindeste ist ein Gipfel, bei dem mit den betroffenen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen, den Bundesländern Ober- und Niederösterreich und unter Beiziehung von Fachleuten aus der Industrie die nächsten Schritte im Kampf um die Erhaltung von Steyr als Technologiestandort vereinbart werden.“