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25.11.2020

Schnabl: Bildungsauftrag erfüllen – alle Kinder sind systemrelevant

Seit Mitte November gibt es an unseren Schulen eine besondere Situation: Sie sind nicht geschlossen – aber SchülerInnen werden nur betreut, Unterricht findet im Homeschooling statt. „Schwarz-Grün hat sich in den vergangenen Monaten nicht ansatzweise darüber Gedanken gemacht, wie bei einer zweiten Corona-Welle der Bildungsauftrag erfüllt werden kann. Dafür ist die Regierung rücktrittsreif“, erklärt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender, LHStv. Franz Schnabl. Dazu komme, dass für die SchülerInnen wieder einmal keine oder nicht ausreichend Laptops zur Verfügung stünden: „Ein Laptop ist das Gratis-Schulbuch unserer Zeit. Manches ändert sich nie: 1972 ermöglichte die SPÖ die Gratis-Schulbuch-Aktion, heute sind es wieder wir SozialdemokratInnen, die sich für den dringend erforderlichen Modernisierungsschub an österreichischen Schulen stark machen.“ Schnabl fordert die Regierung auf, die Schulen für das Lernen offenzuhalten: „Unsere Vorschläge – wie Schichtbetrieb, Reduzierung der Gruppengrößen, Ausstattung mit digitalen Endgeräten – liegen am Tisch.


Tut endlich etwas im Sinne von Kindern, Eltern und PädagogInnen, anstatt sie zum Spielball eurer Politik zu machen! Es ist untragbar, dass unsere Kinder und deren Bildung – und damit ihre Zukunft – die niedrigste Priorität haben, wenn es um einschränkende Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona-Infektionen geht.


Er erwarte sich, dass an den Schulen spätestens am 9. Dezember wieder unterrichtet werde.


Eltern werden vor eine psychische und physische Extremsituation gestellt: „Sie müssen gerade viel stemmen, nicht zuletzt stehen sie vor einem Betreuungsproblem. Selbst wenn man die Möglichkeit hat, im Home-Office zu arbeiten, ist die Herausforderung Home-Schooling auf Dauer nicht zu bewältigen. Eltern bekommen von Minister Faßmann gute Tipps, wie Lernbereich für Kinder zu schaffen seien, aber wie berufstätige Eltern diese Situation zum zweiten Mal meistern sollen, erklärt keiner“, sagt Schnabl. Eltern hätten nicht mehr genügend Urlaubstage, die Regelung zur Sonderbetreuung wurde von Schwarz-Grün ausgehebelt, indem sie nur gelte, wenn die Schulen auch keine Betreuung anbieten würden. Aber auch die Mittel und Möglichkeiten der PädagogInnen seien begrenzt, viele Eltern und Kinder hätten keine E-Mail-Adresse, keine Drucker, oft nicht einmal Internet, vielen gelinge es nicht, mit Lernapps umzugehen, oft könnten Eltern nicht helfen. „Unter diesen Bedingungen ist der digitale Unterricht nur schwer möglich. Viele PädagogInnen haben deshalb analoge Materialpakete für SchülerInnen zusammengestellt. Aber Schule ist mehr als Mathe, Deutsch, Englisch. Ansprache, Struktur, die Schule als vertrauter Raum, der Kontakt mit FreundInnen – das fällt alles weg und führt dazu, dass Kinder in der häuslichen Situation oft überfordert sind“, weiß Schnabl.


Zwt.: Alle Kinder sind systemrelevant

Gudrun Nußbaum-Kranz, 37 Jahre alt, verheiratet, lebt im Marchfeld. Sie hat fünf Kinder: Alle befinden sich im Home-Schooling. Sie hat vor kurzem ein Posting zum Thema abgesetzt, weil sie der „Leitfaden“ des Bildungsministers, wie getrennte Arbeits- und Spielbereiche einzurichten seien, „auf die Palme“ gebracht hat – es wurde in vielen Medien veröffentlicht, ihr satirischer Stil hat viele zum Schmunzeln gebracht.


„Aber die Situation ist alles andere als lustig. Alle, die schulpflichtige Kinder haben, wissen: Home-Schooling ist kein entspannter Urlaub.“ Der älteste Sohn ist in der vierten Klasse HTL, der 15-Jährige im ersten Lehrjahr und derzeit in der „digitalen Berufsschule“, die 13-jährige Tochter besucht die vierte Klasse Mittelschule, die beiden Jüngsten vierte und zweite Klasse Volksschule. „Start für den Unterricht ist bei uns um 9 Uhr, da sind die Kinder aufnahmefähiger“, sagt sie: „Ich habe ein Punkte-Belohnungssystem eingeführt, damit die Kinder angespornt werden.“ Sie schätzt das große Engagement der Schule und der PädagogInnen, „obwohl auch diese von der Regierung und Bildungsdirektion alleine gelassen werden.“


Gudrun Nußbaum-Kranz ist in Kurzarbeit und ehrenamtlich bei der Volkshilfe engagiert, der Mann arbeitet im Homeoffice. „So schaffen wir es halbwegs, den Unterricht daheim durchzubringen. Die drei Großen arbeiten zum größten Teil sehr selbständig – da geht es meistens nur um Korrekturen. Wobei die Fähigkeiten von mir und meinem Mann, was Elektrotechnik betrifft, doch sehr eingeschränkt sind“, geht sie an die Herausforderungen mit Humor heran. Mann und jüngstes Kind arbeiten im Wintergarten, Nußbaum-Kranz mit dem Zweitjüngsten in der Wohnküche, damit nebenher auch noch gekocht und geputzt werden kann: „Ich weiß nicht, ob Sie schon mal mit Nutella Zähne geputzt haben, wenn nicht: So sinnvoll ist es, wenn man versucht, das Haus zu putzen, während fünf Kinder sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag zu Hause sind. Es ist ein ewiges Hin und Her zwischen allen möglichen Tätigkeiten. Da ich auch die Vorsitzende der Volkshilfe im Bezirk bin, erledige ich nebenher auch diese Ansuchen. Sie können sich vorstellen, dass die im Moment auch gehäufter auftreten.“


Es gebe auch die Möglichkeit der Betreuung für die kleineren Kinder: „Die Plätze sollten den Eltern bleiben, die wirklich keine Möglichkeit haben, zu Hause zu bleiben oder die es einfach nervlich nicht aushalten“, sieht sie die Situation als Belastung für alle Seiten – besonders für die Kinder: „Seit einem dreiviertel Jahr müssen sie auf so vieles verzichten. Wenn das für uns Erwachsene schon so schwer ist, wie fühlt sich erst ein Kind, wenn es auf alles verzichten muss, was Spaß macht?“ Sie beschäftigt die Kinder am Nachmittag mit Basteln, Spielen, Spazierengehen – aber sie sind trotzdem null ausgelastet. „Während mein Mann und ich schon um 17 Uhr am liebsten todmüde ins Bett fallen würden, sind die Kinder noch immer total aufgedreht. Ich hab schon überlegt, es einmal mit Zirkeltraining zu probieren, aber da würde ich mir wahrscheinlich eher weh tun, bevor die Kinder ausgepowert sind.“


Eltern wünschen sich eine Perspektive – nicht, dass pauschal Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen geschlossen werden. Die Regierung hat den Auftrag, dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen. „Zu glauben, nach den Weihnachtsferien ist alles wieder gut, ist naiv. Sollte noch eine dritte Welle kommen, dürfen es nicht wieder die Eltern sein, die selbst zusehen müssen, wie sie Beruf, Kinder und deren Lernen zu Hause organisieren. Das können Eltern nicht mehr leisten. Aber bei Schwarz-Grün gibt es dazu kein Problembewusstsein, die Verantwortlichen legen weiter untätig die Hände in den Schoß – aber die Durchführung des Unterrichts ist nicht die zentrale Aufgabe der Eltern“ erklären Schnabl und Nußbaum-Kranz. Es brauche ein einheitliches Konzept für digitalen Unterricht sowie Schulungen für die PädagogInnen. Bislang wurden die Schulen und die Kinder schlecht digital ausgestattet, Schwarz-Grün wälzt die Verantwortung auf Eltern und PädagogInnen ab. Schnabl gehe es auch um Gerechtigkeit: „Wenn Kinder wegen der Corona-Krise Stoff versäumen, heuern bessergestellte Familien eben NachhilfelehrerInnen an. Aber in Familien, die sich das nicht leisten können, bleiben die Kinder auf der Strecke. Die Regierung soll sich hier ganz rasch Strategien überlegen, wie diese Herausforderung zu bewältigen ist, bevor es zu spät ist! Alle Kinder sind systemrelevant!“


Home-Schooling: Eltern, Kinder und PädagogInnen vor Extremsituation gestellt