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13.01.2021

Jacqueline Nestler und Franz Schnabl bringen das Impfchaos auf den Punkt!

Coronaimpfungen – zu wenig, zu spät zu zögerlich.

Wo ist der Masterplan Coronaimpfung?


In vielen Ländern der Welt läuft die Impfaktion gegen das Coronavirus an. Mit Abstand am schnellsten ist bisher Israel, dort wurden bereits mehr als 20 Prozent der Bevölkerung geimpft. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen die Impfungen auf Hochtouren. In Österreich wurden bisher 0,59 Prozent der Bevölkerung geimpft: 1.400 Impfungen täglich werden verabreicht. Zum Vergleich: In Israel gibt es 78.000 Impfungen pro Tag, in Italien 45.000.


„Sprechen wir es offen aus: Kanzler Kurz ist gescheitert, seine Regierung kann es nicht. Die Zeit der Ausreden ist vorbei: Dänemark, Italien, Deutschland und viele andere haben nicht mehr oder weniger Impfstoff erhalten als Österreich – trotzdem sind wir das Schlusslicht“, erklärt SPÖ NÖ Landesparteivorsitzender LHStv. Franz Schnabl: „Kurz setzt auf schöne Bilder und Pressekonferenzen, andere setzen auf Impfungen. Es gibt schon wie bei den Testungen auch beim Impfen keinen Plan, keine Organisation, keine Daten. Schwarz-Grün kann es einfach nicht!“


Das mangelhafte Krisenmanagement der Regierung spiegelt sich auch im Bloomberg-Ranking wider. Veröffentlicht wird monatlich ein Ranking zur Frage, welche Länder in der Corona-Krise am lebenswertesten sind: Österreich belegt hier nur den 41. von insgesamt 53 Plätzen. 21 Plätze hinter Bangladesch.

In Israel sollen mit Ende März über 60 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft sein – in Österreich will man bis dahin gerade erst mit den Risikogruppen und Teilen des Gesundheitspersonals durch sein. Deutschland etwa hat umgerechnet auf die Bevölkerungszahl bereits fünf Mal mehr Impfungen verabreicht als Österreich. Die Bundesregierung gehe bis Ende März von einer maximalen Impfquote von 180.000 Menschen aus, also 6,5 Prozent – die Verantwortung für das Impfen wurde inzwischen nonchalant von Kurz an die Länder übertragen. Hier würden aber Kühlschränke für die Lagerung des Impfstoffes fehlen, die Lieferung der Impfstoffe geht auch nur zögerlich voran. „Kurz schiebt die Verantwortung auf die Länder ab, die Landeshauptfrau in Niederösterreich folgt den Anweisungen wider besseren Wissens. Es gibt keine Impfstrategie, man lässt alles auf sich zukommen“, kritisiert die SPÖ NÖ die Unbekümmertheit der ÖVP. Die Landeshauptfrau hätte auch einfach den Geschäftsführer des Notruf 144 zum Impfkoordinator ernannt: „Damit hat sie eigentlich ohne Absprache die Zuständigkeiten verschoben“, sagt Schnabl.


Impfplattform soll Terminlogistik sicherstellen

Schnabl hat vergangene Woche eine zentrale Impfplattform auch für Niederösterreich gefordert – inzwischen wurde diese eingerichtet. Sie soll nächste Woche starten. Ein geordnetes Anmeldesystem sei unumgänglich, erklärt Schnabl: „Damit diejenigen, die sich impfen lassen wollen, einen gesicherten Termin haben, an dem auch die notwendige Menge an Impfstoff vorhanden ist.“ Es müsse organisiert werden, dass die Menschen in der kürzest möglichen Zeit einen Termin bekommen, dass sie erinnert werden und nachfragen können. Diese Plattform soll eine Terminlogistik für das Impfen sicherstellen, sagt Schnabl: „Es muss eine persönliche, individualisierte Information an die Versicherten betreffend der Impfmöglichkeiten geben.“

Die von Österreich bestellten Impfdosen reichen nur für rund 20 Prozent der Bevölkerung aus. Beispiel Brunn am Gebirge: Hier sind rund 25 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt, gehören also zur Risiko-Zielgruppe für Covid-Impfungen. Hier müsse sofort nachbestellt werden: Die Menschen müssen darauf vertrauen können, dass die Impfstoffe in ausreichender Anzahl besorgt werden und es einen Impf-Plan gibt, nach dem strategisch vorgegangen wird.


Impfen ist heikler, als Masken zu verteilen

Der Landesparteivorsitzende fordert einhergehend mit der Impf-Plattform eine detaillierte Impfstrategie: „Ein ganzes Land zu impfen, ist eine riesige Aufgabe. Das bisherige Krisenmanagement der Regierung in der Pandemie war geprägt von Chaos und Dilettantismus – und lässt Zweifel aufkommen, ob das Vorhaben gelingen kann. Ziel muss es sein, alle die das wollen, rasch und sicher zu impfen. Aufklärung und Information sind das Um und Auf, um die Impfmoral zu stärken, Management by Chaos trägt zum Gegenteil bei.“ Zur Erinnerung: Im Frühjahr hat die „Strategie“ Alltagsmasken gegen Covid aufzubieten, dazu geführt, dass es einige Monate lang zu wenige Bedeckungen für Mund und Nase gab. Die Ankündigung, die Generation 60plus mit FFP2-Masken auszustatten, ist bisher am schwarz-grünen Fehlmanagement gescheitert – nur vereinzelt wurden die Masken bisher an die Betroffenen ausgeliefert.

„Ein ganzes Land zu impfen, ist eine ungleich heiklere Aufgabe als Masken zu verteilen. Zudem ist drei bis vier Wochen später eine zweite Impfung nötig“, gibt Schnabl zu bedenken.


Versemmeln wir nicht die einzige Chance, die wir haben

Eine Bürgerin, die Franz Schnabl geschrieben hat, ist Jacqueline Nestler aus einer kleinen Gemeinde im Wienerwald. Sie unterstützt die Forderung nach einer Impfplattform für Niederösterreich:


Das jetzige Chaos bzw. der unglaubliche Mangel an Informationen ist besorgniserregend. Ich werde diesen April 75 Jahre alt, und habe keine Ahnung, an wen ich mich wenden soll, um geimpft zu werden: Mein Hausarzt weiß nichts, die Gesundheitsagentur weiß nichts, die AGES weiß nichts, das Ministerium weiß nichts. Die sogenannte Impfhotline besteht aus armen Menschen, die null Auskunft geben können – weil sie selbst keine Information haben – und heillos überfordert sind: Wieder einmal ein PR-Gag unseres Kanzlers, nehme ich an. Das Ganze ist ein Trauerspiel und trägt wesentlich zur Verunsicherung der Menschen bei, anstatt sie zum Impfen zu animieren.“


Sie hat bei der Impfhotline nachgefragt, ob auch in Niederösterreich – wie demnächst in Wien – eine Anmeldung für SeniorInnen zum Impfen möglich ist: „Eine freundliche Dame sagte ja, nahm meinen Namen und Adresse auf und meinte, ich würde im Februar oder März kontaktiert für einen Termin. Kurz danach habe ich noch einmal angerufen, weil ich noch eine Information wollte und da meinte ein Mitarbeiter, es gibt keine Anmeldung. Wissen Sie, wie ich mich fühle: Komplett verarscht! Was ist los hier? Bitte, bitte machen wir doch Nägel mit Köpfen und ‚versemmeln‘ wir jetzt nicht die einzige Chance, die wir haben, dieser Pandemie Herr zu werden!“


Information und strategische Planung beim Impfen notwendig

Schnabl sei es auch ein wichtiges Anliegen, die Menschen nicht nur über die Impfstrategie, sondern auch über die Wirksamkeit der unterschiedlichen Impfstoffe zu informieren. Es kursierten in den Medien derart viele unterschiedliche Werte und Informationen, dass viele Menschen sehr verunsichert seien. Österreich befinde sich in einem schwarzen Informationsloch.

Schnabl weist darauf hin, wie wichtig es sei, dass die Menschen in die Test- und Impfstrategie unseres Landes Vertrauen haben und die Regierung mit einem klugen Plan vorgeht. Derzeit sehe es aber leider nicht danach aus – dabei sei die Impfung nicht nur wichtig für die Gesundheit der Menschen, sondern auch für die heimische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Die SPÖ tritt seit jeher für Vollbeschäftigung ein. Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss man etwas tun – Politinszenierungen und Ankündigungen reichen dafür nicht aus. Jetzt heißt es Ärmel aufkrempeln und gemeinsam die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie in den Griff bekommen: Arbeitsplätze sichern – neue schaffen und unsere vielen kleinen und mittleren Unternehmen unterstützen, damit sie weitermachen können! Es geht um unsere Jobs und unseren Wirtschaftsstandort Niederösterreich!“