SPÖ Niederösterreich

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Präsentation der Jugend-Expertise

Wie tickt eigentlich die Jugend in Österreich? Welche Werte verfolgt sie, wie sieht ihr Alltag aus, was hält sie von Politik? - Diese und andere Fragen untersuchte das Österreichische Institut für Medienwirtschaft der Fachhochschule Sankt Pölten im Auftrag des SPÖ-GVV-NÖ (Verband der sozialdemokratischen  GemeindevertreterInnen Niederösterreichs).

So entstand die Expertise: Mittels Sekundäranalysen von über 20 aktuellen Studien, zahlreichen Fachartikeln und Daten der Media Analyse wurden aktuelle Ergebnisse der Jugend- und Medienforschung zusammengeführt und vor dem Hintergrund der Fragestellungen aufbereitet. Ergänzend wurden Fokusgruppendiskussionen mit Studierenden durchgeführt.

Die vorliegende Expertise bietet nun einen umfassenden Überblick über aktuelle Befunde der Jugend- und Medienforschung und zeigt, wie und mit welchen Themen Jugendliche erreicht werden können. Neben Informationen zum politischen Verhalten von Jugendlichen gibt der Bericht einen Einblick in Mediennutzung, Wertewelt, Interessen, Freizeitverhalten und Lebenssituation von jungen Menschen in Österreich. Dabei zeigt sich, dass gerade die Face-to-Face-Begegnungen auf Gemeindeebene großes Potenzial für politische Kommunikation bieten. So dominieren zwar soziale Medien wie Facebook den Alltag der Jugendlichen, für die politische Information sind aber nach wie vor die klassischen Medien und eben auch direkte Begegnungen mit den GemeindevertreterInnen von Bedeutung.

SPÖ-GVV-NÖ-Präsident LAbg. Bgm. Rupert Dworak:

„Ein Jahr vor den Gemeinderatswahlen wollten wir - natürlich nicht uneigennützig – erforschen und wissen, wie sich die österreichische und speziell die niederösterreichische Jugend bei gewissen Themenbereichen verhält. Wir stellen fest, dass die heutige Jugend im Alltag vor allem Computer, Laptop, Smartphone nutzt, andererseits aber auch, dass die weit verbreiteten sozialen Netzwerke bei der politischen Arbeit oder Information nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die werden fast ausschließlich für den Freundschafts-Bereich genutzt. Aber neue Medien hin und Internet her – am wichtigsten in der politischen Arbeit mit Jugendlichen ist noch immer das persönliche Gespräch! “

„Laut Jugend-Trend-Monitor von 2012 hat Politik für nur 4,5% der Jugendlichen einen sehr hohen Stellenwert. Aber wer heute der Jugend generell vorwirft, dass sie sich nicht für Politik interessiert, oder an ihr nicht teilhaben möchte, der irrt. Denn das Interesse an poltischen Themen wie Ausbildung oder Arbeitsmarkt ist sehr hoch. Auch die immer größer werdende Schere zwischen Reich und Arm interessiert die Jungen brennend. Gerade in der Kommunalpolitik haben wir die Chance, die Jugend durch gezielte Informationen für Mitarbeit und Engagement zu begeistern. Hier ist Kreiskys Angebot an die Jugend, ein Stück des Weges mit den PolitikerInnen gemeinsam zu gehen, top aktuell. Und das, was ich beim GVV-Neujahrsempfang schon angeregt habe, nämlich Sozialdemokratie neu denken – das könnte so beginnen.“

Ausgewählte Ergebnisse des Forschungsberichts
von Mag.a Mag.a (FH) Astrid Ebner-Zarl, Projektleitung: FH-Professor Dr. Andreas Gebesmair

Differenziertes Politikverständnis: Gesellschaftspolitisches Interesse von Jugendlichen:

Die gängige Sichtweise, Jugend sei in politischen Fragen völlig desinteressiert, greift zu kurz. Zwar distanzieren sich Jugendliche mehrheitlich von parteibezogener Politik, viele denken und agieren aber durchaus politisch im gesellschaftspolitischen bzw. gesellschaftskritischen Sinne. Deswegen muss zwischen einem engeren, parteienbezogenen und einem breiteren Politikbegriff unterschieden werden. Oft wird unkonventionelles politisches Engagement von Jugendlichen (z.B. in Form von Petitionen, Initiativen und Demonstrationen für soziale, bildungs- oder umweltbezogene Belange) von der Gesellschaft nicht als politisch wahrgenommen. Manche Formen von gesellschaftspolitischem Engagement werden auch von den Jugendlichen selbst nicht unbedingt als politisch eingestuft – auch so ist mitunter der geringe Stellenwert von Politik bei Jugendlichen in Befragungen zu erklären. Es kann also davon ausgegangen werden, dass Jugendliche nicht grundsätzlich unpolitisch sind, sondern sich zuweilen um aktuelle Belange Gedanken machen und gesellschaftliche Kritik üben.

Anknüpfen an die Alltagserfahrungen von Jugendlichen in der politischen Kommunikation:

Politik muss thematisch an den Alltagserfahrungen und der Lebenssituation von Jugendlichen anschließen, um für sie attraktiv zu sein. Dies geht weit über klassische jugendspezifische Anliegen, wie etwa Freizeitinfrastruktur, hinaus. Wichtige Themen, zu denen Jugendliche sich Gedanken machen und Maßnahmen wünschen, sind beispielsweise das Bildungssystem, die Bedingungen am Arbeitsmarkt und Fragen der Gleichbehandlung.

Projektbezogene Beteiligungsmöglichkeiten:

Jugendliche sind bereit sich aktiv politisch zu engagieren, verhalten sich aber distanziert gegenüber Beteiligungsangeboten, die ein verbindliches, langfristiges Bekenntnis in Form eines Parteibuchs erfordern. Sie bevorzugen Möglichkeiten, sich unverbindlich (d.h. kurzfristig/projektbezogen und ohne Parteibuch) politisch zu beteiligen. Darüber hinaus ist für Jugendliche wichtig, mit ihrem Einsatz ein unmittelbar erfahrbares Ergebnis zu erzielen (z.B. einen konkreten Fortschritt durch die Umsetzung einer Maßnahme).

Klassische Medien und deren Online-Auftritte als politische Informationsquellen:

Die Mediennutzung Jugendlicher variiert je nach Nutzungszweck: Jugendliche greifen zur politischen Information auf andere Medien zurück als im Alltag. Social Media sind zwar Trendmedium im normalen Alltag der Jugendlichen, besitzen für politische Informationszwecke jedoch nur untergeordnete Bedeutung. Um sich über politisches Geschehen und Parteien zu informieren, ziehen Jugendliche nach wie vor hauptsächlich die klassischen Medien Fernsehen, Radio, Zeitung und deren Onlineauftritte heran. So sind z.B. Kronen Zeitung, Heute und Österreich die reichweitestärksten Tageszeitungen bei Jugendlichen. Von den Radiosendern ist Ö3 bei Jugendlichen am beliebtesten, wobei im Vergleich zu älteren Bevölkerungsgruppen eine deutlich stärkere Nutzung von Privatradio erkennbar ist. Als wichtige politische Informationsquelle werden in der Jugendforschung aber auch die Eltern bezeichnet.

Wesentlich: Persönlicher Kontakt mit Jugendlichen:

Herausragend ist jedoch die Bedeutung der Face-to-Face Kommunikation mit Jugendlichen. Persönlicher Dialog und Interaktion bleiben auch in einer modernen Medienwelt der primäre Erfolgsfaktor für politische Kommunikation mit jungen Menschen.

SPNÖ-Landesparteivorsitzender Bgm. Mag. Matthias Stadler:

„Politik muss thematisch an den Alltagserfahrungen und der Lebenssituation von Jugendlichen anschließen, um für sie attraktiv zu sein. Dies geht weit über klassische jugendspezifische Anliegen, wie etwa Freizeitinfrastruktur, hinaus. Wichtige Themen, zu denen Jugendliche sich Gedanken machen und Maßnahmen wünschen, sind beispielsweise das Bildungssystem, die Bedingungen am Arbeitsmarkt und Fragen der Gleichbehandlung.

Unsere Aufgabe ist es, die Erfassung von Lebenslagen Jugendlicher für kommunale und regionale Politik beteiligungsorientiert zu gestalten. Demokratische Prinzipien können die jungen Menschen am besten aus realen Situationen kennenlernen. Wir Politiker müssen uns im Gegenzug mit den politischen Themen beschäftigen, die Jugendliche bewegen. Der NÖ Jugendstudie zufolge wünschen sich Jugendliche mehrheitliche eine eigene Familie mit Kindern und eine bis ins Alter stabile Partnerschaft, arbeitsmarktbezogene Zukunftssorgen und die Sicherung von Arbeitsplätzen beschäftigen sie aber auch: Beispiele dafür sind das Thema Wohnen und (Aus-)bildung, die für junge Menschen oberste Priorität haben.“